Was ist Scientology?
Lesezeit: ca. 20 Minuten
Das Wichtigste auf einen Blick
- Was bedeutet Scientology
- Wer war L. Ron Hubbard
- Welches Menschenbild hat Scientology
- Was sind der analytische und der reaktive verstand
- Was ist Auditing
- Was ist das E-Meter
- Welche Rolle spielt Ausbildung
- Was ist Brücke
- Ist Scientology eine Religion, Philosophie oder Methode
- Sind Scientology und die Scientology-Kirche dasselbe
- Warum entstand Scientology außerhalb der Scientology-Kirche
- Was ist Ron’s Org
- Gehört Ron’s Org zur Scientology-Kirche
- Warum wird Scientology so unterschiedlich beurteilt
- Wie kann ich mir selbst ein Bild machen
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Lesezeit: ca. 20 Minuten
Wer sich ausführlicher mit Scientology beschäftigt, stößt schnell auf eine Vielzahl von Begriffen und sehr unterschiedliche Darstellungen. Scientology, Dianetik, Auditing, Scientology-Kirche und Ron’s Org werden dabei häufig miteinander verbunden oder sogar gleichgesetzt.
Um Scientology besser einordnen zu können, ist es deshalb hilfreich, zunächst die grundlegenden Begriffe zu verstehen und anschließend zwischen der Lehre, ihren Methoden und den verschiedenen Organisationen zu unterscheiden, die sich auf sie beziehen.
In diesem Abschnitt erklären wir diese Zusammenhänge Schritt für Schritt.
1. Was bedeutet Scientology?
Scientology bezeichnet eine von L. Ron Hubbard entwickelte Lehre und die damit verbundenen Methoden. Sie beschäftigt sich unter anderem mit dem Menschen als geistigem Wesen, seinem Bewusstsein, seinen Erfahrungen und seinen Möglichkeiten zur persönlichen Entwicklung.
Der Begriff „Scientology“ wird aus dem lateinischen scio („wissen“) und dem griechischen logos („Lehre“ beziehungsweise „Studium“) hergeleitet. Hubbard gibt dafür sinngemäß die Bedeutung „wissen, wie man weiß“ an.
Die Scientology-Kirche bezeichnet Scientology ausdrücklich als Religion und beschreibt sie als einen Weg zum Verständnis der eigenen geistigen Natur. Zu ihrem Selbstverständnis gehört unter anderem die Vorstellung, der Mensch sei ein unsterbliches geistiges Wesen und grundsätzlich gut. [1]
Außerhalb der Scientology-Kirche gibt es ebenfalls Menschen und Organisationen, die mit den von Hubbard entwickelten Lehren und Methoden arbeiten. Dazu gehört Ron’s Org, eine von der Scientology-Kirche organisatorisch unabhängige Scientology-Tradition.
Der Name Ron’s Org steht für „Rons Organisation und Netzwerk für Standard-Technologie“. Mit „Ron“ ist L. Ron Hubbard gemeint. Die Bezeichnung „Standard-Technologie“ drückt das Selbstverständnis von Ron’s Org aus, die von Hubbard entwickelten Verfahren nach den von ihr als Standard verstandenen Grundlagen anzuwenden.
Schon daran wird deutlich: Auf die Frage „Was ist Scientology?“ gibt es unterschiedliche Antworten, je nachdem, ob man nach der Lehre, ihren Methoden, ihrer religiösen oder philosophischen Einordnung oder nach einer bestimmten Organisation fragt.
Einige Grundbegriffe tauchen in unterschiedlichen scientologischen Strömungen immer wieder auf. Dazu gehören insbesondere der Mensch als geistiges Wesen, die Vorstellung eines analytischen und eines reaktiven Verstandes, Auditing, Ausbildung, persönliche Erkenntnis und Selbstbestimmung sowie ein stufenweise aufgebauter Entwicklungsweg, der häufig als „Brücke“ bezeichnet wird.
Diese Begriffe betrachten wir im Folgenden genauer.
2. Wer war L. Ron Hubbard?
Lafayette Ronald Hubbard, meist L. Ron Hubbard genannt, wurde 1911 in den Vereinigten Staaten geboren und starb 1986.
Er war zunächst vor allem als Schriftsteller tätig. 1950 veröffentlichte er das Buch „Dianetics: The Modern Science of Mental Health“, das auf Deutsch unter dem Titel „Dianetik: Die moderne Wissenschaft der geistigen Gesundheit“ erschien.
Die Veröffentlichung von Dianetics führte in den USA zu erheblichem Interesse und zur Entstehung von Dianetik-Gruppen und -Organisationen, wo die im Buch beschriebenen Techniken angewendet wurden, um persönliche Verbesserungen zu erreichen. Hubbard entwickelte seine Vorstellungen in den folgenden Jahren weiter. Während sich Dianetik zunächst vor allem mit dem menschlichen Verstand und dem Einfluss vergangener Erfahrungen beschäftigte, kamen zunehmend Fragen nach dem Menschen als geistigem Wesen hinzu.
Daraus entwickelte sich das umfassendere Gebiet, das Hubbard Scientology nannte.
1954 entstand die erste Church of Scientology. In den folgenden Jahrzehnten entstanden weitere Scientology-Organisationen in verschiedenen Ländern. Die Scientology-Kirche selbst betrachtet diese Entwicklung als den Beginn ihrer organisatorischen Geschichte. [2]
Hubbards Person und Biografie werden unterschiedlich dargestellt und beurteilt. Scientology-Organisationen stellen ihn als Begründer und Forscher dar; biografische, journalistische und kritische Darstellungen bewerten verschiedene Aspekte seines Lebens und seiner Aussagen anders.
L. Ron Hubbard entwickelte Dianetik und Scientology und hinterließ einen umfangreichen Bestand an Schriften, Vorträgen und Verfahren, auf den sich unterschiedliche Scientology-Organisationen und unabhängige Scientologen bis heute beziehen.
3. Welches Menschenbild hat Scientology?
Eine zentrale Vorstellung innerhalb von Scientology ist, dass der Mensch nicht mit seinem Körper oder seinem Verstand identisch sei.
Für das geistige Wesen verwendet Scientology den Begriff Thetan.
Nach scientologischem Verständnis hat ein Mensch einen Körper und einen Verstand, ist seinem eigentlichen Kern nach jedoch ein geistiges Wesen. Hubbard beschreibt den Menschen entsprechend als unsterbliches geistiges Wesen, dessen Erfahrungen über ein einzelnes Leben hinausreichen.
Damit verbindet sich die Vorstellung, dass dieses geistige Wesen grundsätzlich über Fähigkeiten und Selbstbestimmung verfügt, diese aber nicht immer vollständig verwirklichen kann.
Scientologische Methoden sollen nach ihrem eigenen Anspruch dabei helfen, Hindernisse zu erkennen und Fähigkeiten wiederzugewinnen oder weiterzuentwickeln.
Diese Aussagen beschreiben das scientologische Menschenbild. Sie sind daher zunächst als philosophische beziehungsweise religiöse Aussagen innerhalb dieses Systems zu verstehen und nicht als naturwissenschaftlich festgestellte Eigenschaften des Menschen.
Diese Unterscheidung ist für dieses Wissensportal wichtig: Wir möchten erklären, was Scientology lehrt, ohne daraus automatisch die Behauptung abzuleiten, dass diese Vorstellungen wissenschaftlich bewiesen seien.
4. Was sind der analytische und der reaktive Verstand?
Ein weiteres wichtiges Modell stammt ursprünglich aus der Dianetik.
Hubbard unterschied zwischen einem analytischen Verstand und einem reaktiven Verstand.
Vereinfacht dargestellt steht der analytische Verstand in diesem Modell für bewusstes Wahrnehmen, Nachdenken, Vergleichen und Entscheiden.
Der sogenannte reaktive Verstand soll dagegen insbesondere belastende Erfahrungen enthalten, die ein Mensch gemacht hat und die nach dem dianetischen beziehungsweise scientologischen Modell später unbewusst auf sein Denken, Gefühle und Verhalten einwirken können.
Die Grundannahme lautet: Eine gegenwärtige Situation kann Bestandteile enthalten, die Bestandteilen einer früheren belastenden Erfahrung ähneln, und dadurch Reaktionen auslösen, die durch die aktuelle Situation allein nicht vollständig erklärbar erscheinen.
Auch Ron’s Org beschreibt dieses Modell als Grundlage für einen Teil des Auditings und führt Schwierigkeiten und unerwünschte Reaktionen innerhalb dieses Modells auf solche unbewussten Einflüsse zurück. [3]
Die Begriffe analytischer Verstand und reaktiver Verstand gehören zum theoretischen Modell von Dianetik und Scientology. Sie sollten nicht ohne Weiteres mit Fachbegriffen aus Psychologie, Psychiatrie oder Neurowissenschaft gleichgesetzt werden.
5. Was ist Auditing?
Auditing gehört zu den zentralen praktischen Verfahren von Scientology. Das Wort wird vom lateinischen audire – „hören“ oder „zuhören“ – abgeleitet.
Beim persönlichen Auditing arbeiten üblicherweise zwei Personen miteinander. Die Person, die das Verfahren durchführt, wird Auditor genannt. Die Person, die Auditing erhält, wird in der scientologischen Terminologie häufig als Preclear bezeichnet.
Der Auditor stellt bestimmte Fragen oder gibt festgelegte Anweisungen. Die andere Person richtet ihre Aufmerksamkeit auf das jeweilige Thema und beschreibt, was sie dabei wahrnimmt oder erinnert.
Ein wichtiger Grundsatz besteht darin, dass der Auditor die Antworten nicht für die andere Person bewerten oder ihr vorgeben soll, welche Schlussfolgerung sie daraus ziehen muss.
Über die angestrebten Wirkungen wird aus der jeweiligen scientologischen Perspektive gesprochen. Die Scientology-Kirche versteht Auditing als eine zentrale religiöse Praxis. Ron’s Org beschreibt Auditing stärker als Verfahren, durch das eine Person selbst Erkenntnisse über sich und ihr Leben gewinnen und unerwünschte Einflüsse vermindern soll. [3] [4]
Diese Aussagen über die Wirkungen von Auditing sind als Ansprüche und Selbstbeschreibungen der jeweiligen scientologischen Traditionen zu verstehen.
Auditing ist insbesondere keine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung und sollte mit einer solchen nicht gleichgesetzt werden.
6. Was ist das E-Meter?
Bei bestimmten Formen des Auditings kommt ein Gerät zum Einsatz, das als E-Meter (Elektro-Meter) bezeichnet wird.
Bei seiner Verwendung hält die auditierte Person zwei Elektroden. Ein minimaler elektrischer Strom fließt durch diesen Stromkreis; Veränderungen werden auf dem Messinstrument angezeigt. Hubbard beschreibt das E-Meter als Hilfsmittel des Auditors.
Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen Messung und Interpretation.
Dass ein elektrisches Messgerät Veränderungen elektrischer Eigenschaften registrieren kann, ist etwas anderes als die scientologische Interpretation dessen, was Veränderungen der Anzeige im Zusammenhang mit Gedanken, Erinnerungen oder geistigen Vorgängen bedeuten.
Nach der Lehre von Hubbard ist das E-Meter kein medizinisches Gerät zur Diagnose oder Behandlung von Krankheiten.
Auf diesem Wissensportal wird das E-Meter später auf einer eigenen Seite ausführlicher erklärt werden.
7. Welche Rolle spielt Ausbildung?
Neben Auditing bildet Ausbildung einen zweiten wichtigen Bereich der Scientology-Praxis.
Dabei werden Schriften und Materialien studiert und bestimmte Verfahren praktisch erlernt.
Unter anderem geht es darum, Wissen und nützliche Informationen kennenzulernen, die beispielsweise Mechanismen des menschlichen Zusammenlebens betreffen, oder beim Umgang mit verschiedenen Lebensbereichen unterstützen sollen.
Ein Bereich dieser Ausbildung besteht darin, selbst Auditor zu werden. Dazu gehören theoretisches Studium, praktische Übungen und die Anwendung erlernter Verfahren.
Die Scientology-Kirche und Ron’s Org bieten jeweils Formen dieser Ausbildung an. Sie unterscheiden sich jedoch organisatorisch und teilweise hinsichtlich der verwendeten Materialien und ihrer Interpretation.
Ron’s Org betont in ihrer Selbstdarstellung insbesondere die praktische Anwendung des Gelernten und die persönliche Urteilsfähigkeit des Studierenden. [3]
Eine weitere Form der Ausbildung zielt auf das sogenannte Ko-Auditing. Dabei lernen zwei Personen gemeinsam bestimmte Auditingverfahren und wenden diese gegenseitig an.
Auditing und Ausbildung bilden daher innerhalb verschiedener Scientology-Traditionen zwei eng miteinander verbundene Bereiche.
8. Was ist die „Brücke“?
Wer sich intensiver mit Scientology beschäftigt, begegnet häufig dem Begriff „Brücke“.
Damit wird ein stufenweise aufgebauter Weg aus Auditing und Ausbildung bezeichnet.
Die Grundidee besteht darin, bestimmte Themen und Fähigkeiten in einer vorgesehenen Reihenfolge zu bearbeiten. Die verschiedenen Stufen werden auf sogenannten Gradkarten dargestellt.
Ron’s Org beschreibt die Brücke als eine Abfolge von Fähigkeitsniveaus, die eine Person Schritt für Schritt bearbeiten kann. [3]
Im Zusammenhang mit diesem Weg begegnen Begriffe wie Clear und Operierender Thetan (OT).
Diese Bezeichnungen stehen innerhalb des scientologischen Systems für bestimmte angestrebte Entwicklungszustände beziehungsweise Entwicklungsstufen.
Auch hier gilt unser redaktioneller Grundsatz: Wenn Scientology-Organisationen bestimmten Stufen konkrete geistige Fähigkeiten oder Wirkungen zuschreiben, handelt es sich um Aussagen innerhalb ihres jeweiligen Lehrsystems. Das Wissensportal übernimmt solche Aussagen nicht automatisch als unabhängig bestätigte Tatsachen.
9. Ist Scientology eine Religion, Philosophie oder Methode?
Diese Frage ist komplizierter, als sie zunächst erscheint.
Die Scientology-Kirche bezeichnet Scientology ausdrücklich als Religion. Auf ihrer offiziellen Website beschreibt sie Scientology als einen Weg zur Erkenntnis der eigenen spirituellen Natur. [1]
Scientology enthält Vorstellungen, die dem religiösen oder spirituellen Bereich zugeordnet werden können – beispielsweise die Vorstellung des Menschen als unsterbliches geistiges Wesen.
Gleichzeitig enthält Scientology philosophische Vorstellungen und praktische Methoden wie Auditing und Ausbildung.
Unabhängige Scientologen können deshalb andere Schwerpunkte setzen. Ron’s Org beschreibt Scientology beispielsweise stärker als angewandte Philosophie, ohne den religiösen Aspekt auszuschließen.
Auch rechtlich lässt sich die Frage nicht mit einem einzigen Satz für jeden Zusammenhang beantworten. Das Bundesverwaltungsgericht stellte in einem Urteil vom 6. April 2022 fest, dass eine Person, die die Lehren von Scientology für sich als verbindlich anerkennt und praktiziert, die Gewährleistungen der Religions- oder Weltanschauungsfreiheit in Anspruch nehmen kann. Das Gericht stellte zugleich ausdrücklich klar, dass es für die Entscheidung nicht darauf ankam, ob die Scientology-Organisation eine Kirche und ihre Lehre eine Religion ist. [5]
Für dieses Wissensportal verwenden wir deshalb keine pauschale Festlegung, sondern erklären jeweils, in welchem Zusammenhang eine bestimmte Einordnung verwendet wird.
10. Sind Scientology und die Scientology-Kirche dasselbe?
Nein. Für ein genaueres Verständnis sollte zwischen beiden Begriffen unterschieden werden.
Scientology bezeichnet die von L. Ron Hubbard entwickelte Lehre und die damit verbundenen Methoden.
Die Scientology-Kirche bezeichnet Organisationen, die Scientology als Religion vertreten und entsprechende Dienstleistungen, Ausbildung und Auditing anbieten.
Daneben gibt es seit mehreren Jahrzehnten Einzelpersonen und Gruppierungen, die sich ebenfalls auf L. Ron Hubbard und Scientology beziehen, aber organisatorisch unabhängig von der Scientology-Kirche arbeiten.
Eine dieser unabhängigen Traditionen ist Ron’s Org.
Die verschiedenen unabhängigen Gruppen sind dabei nicht notwendigerweise miteinander verbunden und können Scientology in einzelnen Punkten unterschiedlich verstehen oder praktizieren.
Diese Unterscheidung zwischen Scientology als Lehre und Methode und Organisationen, die sich auf Scientology beziehen, ist für das Verständnis der weiteren Zusammenhänge besonders wichtig.
11. Warum entstand Scientology außerhalb der Scientology-Kirche?
In den frühen 1980er-Jahren kam es innerhalb der Scientology-Organisation zu erheblichen personellen und organisatorischen Veränderungen.
In dieser Zeit verließen auch langjährige Mitglieder und Funktionäre die Organisation oder verloren dort ihre Positionen. Ein Teil von ihnen wollte die von L. Ron Hubbard entwickelten Lehren und Verfahren weiterhin anwenden, jedoch unabhängig von der Scientology-Kirche.
In diesem historischen Zusammenhang entstand die Freie Zone beziehungsweise Free Zone. Der Begriff wurde zunächst mit der sich entwickelnden unabhängigen Scientology-Bewegung außerhalb der Scientology-Kirche verbunden und später auch als Bezeichnung für unterschiedliche unabhängige Scientologen und Gruppen verwendet. [6]
Eine wichtige Rolle spielte dabei Bill Robertson, häufig „Captain Bill“ genannt, der zuvor selbst Funktionen innerhalb der Scientology-Organisation ausgeübt hatte.
Aus diesem Umfeld entwickelte sich Ron’s Org und damit eine eigenständige Tradition innerhalb der unabhängigen Scientology-Bewegung. [6] [7]
Der Begriff Freie Zone ist deshalb vor allem für die historische Entwicklung von Bedeutung. Er bezeichnet heute keine einheitliche Organisation und ist für das Verständnis der heutigen Ron’s Org weniger wichtig als deren eigene Geschichte, ihr Selbstverständnis und ihre Organisationsform.
Wer sich speziell mit der Geschichte und den unterschiedlichen Verwendungen des Begriffs „Freie Zone“ beschäftigen möchte, findet dazu ausführlichere Darstellungen in den weiterführenden Quellen.
12. Was ist Ron’s Org?
Der Name Ron’s Org steht für „Rons Organisation und Netzwerk für Standard Technologie“.
Mit „Ron“ ist L. Ron Hubbard gemeint. Die Bezeichnung „Standard Technologie“ bringt das Selbstverständnis von Ron’s Org zum Ausdruck, die von Hubbard entwickelten Verfahren nach den innerhalb von Ron’s Org als Standard verstandenen Grundlagen anzuwenden.
Damit beschreibt der Name bereits einen wesentlichen Teil des eigenen Anspruchs. Die Bezeichnung bedeutet jedoch nicht, dass dieses Wissensportal damit entscheidet, welche heutige Scientology-Tradition die „richtige“ oder authentischste Form der Verfahren vertritt.
Ron’s Org entstand in den frühen 1980er-Jahren im Umfeld der unabhängigen Scientology-Bewegung.
Eine zentrale Person war Bill Robertson, häufig „Captain Bill“ genannt. Robertson war zuvor selbst innerhalb der Scientology-Organisation tätig gewesen und gehörte anschließend zu den Personen, die Scientology unabhängig von der Scientology-Kirche weiterführen wollten.
Nach der eigenen Geschichtsdarstellung von Ron’s Org wurde die Ron’s Org 1984 in Frankfurt am Main gegründet. Der Begriff „Freie Zone“ war bereits zuvor mit der von Robertson angestoßenen unabhängigen Bewegung verbunden. [6] [7]
Historisch spielte die Freie Zone damit eine wichtige Rolle. Heute sollten beide Begriffe jedoch klar unterschieden werden:
Die Freie Zone bezeichnet historisch und in späterer Verwendung ein breiteres Umfeld unterschiedlicher unabhängiger Scientologen und Gruppen. Ron’s Org bezeichnet dagegen eine konkrete, daraus hervorgegangene Tradition mit eigener Geschichte und eigenem Selbstverständnis.
Heute beschreibt sich Ron’s Org als nicht hierarchisch organisiertes Netzwerk von Gruppen und Einzelpersonen. Die einzelnen Gruppen stehen miteinander in Verbindung und arbeiten zusammen, sind nach dieser Selbstdarstellung jedoch organisatorisch selbstständig.
Ron’s Org bezieht sich auf L. Ron Hubbard und verwendet scientologische Verfahren wie Auditing und Ausbildung. Zugleich vertritt sie eigene Positionen darüber, welche Fassungen und Entwicklungsstufen Hubbards Arbeiten entsprechen. Sie legt Wert darauf, ursprüngliche und unveränderte Versionen von Hubbards Werken zu verwenden.
In fortgeschrittenen Bereichen verwendet Ron’s Org außerdem Materialien, die von Bill Robertson entwickelt wurden. Auch dies gehört zur eigenen historischen Entwicklung von Ron’s Org. [7]
Ron’s Org beschreibt ihr Ziel unter anderem darin, Menschen die Anwendung dieser Verfahren außerhalb der Scientology-Kirche zu ermöglichen und betont dabei persönliche Selbstbestimmung und das eigene Urteilsvermögen des Einzelnen.
13. Gehört Ron’s Org zur Scientology-Kirche?
Nein. Ron’s Org gehört organisatorisch nicht zur Scientology-Kirche.
Beide beziehen sich auf L. Ron Hubbard und verwenden Begriffe und Methoden aus Scientology. Daraus ergibt sich jedoch keine organisatorische Zugehörigkeit.
Ron’s Org entstand vielmehr aus der unabhängigen Scientology-Bewegung außerhalb der Scientology-Kirche und entwickelte eine eigene Organisationsform und Geschichte. [6] [7]
Gleichzeitig wäre es ebenso missverständlich, Ron’s Org und die Scientology-Kirche als zwei völlig voneinander unabhängige Lehren darzustellen.
Der gemeinsame Bezug auf Hubbard, Auditing, Ausbildung, die Brücke und weitere scientologische Konzepte erklärt gerade, weshalb Außenstehende beide häufig miteinander verbinden.
Der wesentliche Unterschied liegt zunächst in der organisatorischen Unabhängigkeit und der unterschiedlichen historischen Entwicklung. Hinzu kommen Unterschiede im Selbstverständnis, in der Organisationsstruktur sowie teilweise in der Verwendung und Weiterentwicklung der Materialien.
Wer also fragt: „Ist Ron’s Org Scientology?“ und „Gehört Ron’s Org zur Scientology-Kirche?“ stellt zwei unterschiedliche Fragen.
Ron’s Org bezieht sich ausdrücklich auf Scientology und L. Ron Hubbard.
Sie ist jedoch organisatorisch nicht Teil der Scientology-Kirche.
14. Warum wird Scientology so unterschiedlich beurteilt?
Wer im Internet nach Scientology sucht, findet sehr unterschiedliche Darstellungen.
Dazu gehören Selbstdarstellungen der Scientology-Kirche, Selbstdarstellungen unabhängiger Scientologen und Ron’s Org, persönliche Erfahrungsberichte, Berichte ehemaliger Mitglieder, journalistische Recherchen, wissenschaftliche Veröffentlichungen, staatliche Einschätzungen und teilweise sehr deutliche Kritik.
Diese Quellen beantworten häufig unterschiedliche Fragen.
Eine Selbstdarstellung eignet sich beispielsweise besonders gut, um herauszufinden, wie eine Organisation ihre eigenen Ziele und Überzeugungen beschreibt. Sie reicht jedoch allein nicht aus, um strittige historische oder gesellschaftliche Fragen unabhängig zu beurteilen.
Kritische Quellen können wiederum Probleme, Konflikte oder Erfahrungen sichtbar machen, die in einer Selbstdarstellung nicht vorkommen. Auch solche Aussagen müssen nach Belegen, Kontext und Herkunft beurteilt werden.
Hinzu kommen unterschiedliche Auffassungen innerhalb der Scientology-Landschaft selbst.
Ron’s Org Frankfurt äußert auf ihrer eigenen Website beispielsweise Kritik an Entwicklungen innerhalb der Scientology-Kirche. Solche Bewertungen sind Positionen von Ron’s Org und werden auf diesem Wissensportal nicht allein aufgrund der Betreiberbeziehung als unabhängige Tatsachen dargestellt. [3] [7]
Umgekehrt behandeln wir auch Selbstaussagen der Scientology-Kirche als Selbstaussagen und nicht automatisch als neutrale Beschreibung.
Eine einfache Regel kann beim Lesen deshalb sehr hilfreich sein: Wer sagt hier eigentlich was – und worauf stützt sich diese Aussage?
15. Wie kann ich mir selbst ein Bild machen?
Gerade bei einem kontrovers diskutierten Thema ist es sinnvoll, verschiedene Arten von Aussagen und Quellen voneinander zu unterscheiden.
Bei einer konkreten Behauptung kann man beispielsweise fragen:
Ist sie historisch dokumentiert? Handelt es sich um eine religiöse oder philosophische Überzeugung? Ist es eine persönliche Erfahrung? Ist es die Selbstdarstellung einer Organisation? Gibt es unabhängige Quellen, welche die Aussage bestätigen, ergänzen oder ihr widersprechen?
Insbesondere die ursprünglichen Texte von L. Ron Hubbard können eine wichtige Quelle sein, wenn man wissen möchte, was Hubbard selbst zu einem bestimmten Thema geschrieben oder gesagt hat.
Dabei sollte wiederum zwischen den Fragen „Was hat Hubbard gelehrt?“ und „Ist diese Aussage richtig?“ unterschieden werden.
Die erste Frage lässt sich durch Primärquellen untersuchen. Die zweite kann je nach Thema zusätzliche historische, wissenschaftliche, juristische oder andere unabhängige Quellen erfordern.
Diese Unterscheidung wenden wir auch auf dieses Wissensportal selbst an.
was-ist-scientology.de wird von Ron’s Org Frankfurt betrieben.
Ron’s Org ist selbst Teil der unabhängigen Scientology-Bewegung. Deshalb kennzeichnen wir ihre Auffassungen auf dieser Website als solche – ebenso wie Positionen der Scientology-Kirche, anderer Organisationen oder kritischer Quellen.
Unser Ziel ist nicht, dem Leser vorzuschreiben, zu welchem Ergebnis er kommen soll.
Unser Ziel ist, Begriffe, Hintergründe und Zusammenhänge so verständlich und nachvollziehbar darzustellen, dass sich jeder selbst ein Bild machen kann.
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Seine Biografie, Dianetik und die Entstehung von Scientology.
Was ist die Scientology-Kirche?
Entstehung, Selbstverständnis und Verhältnis zu Scientology.
Quellen und weiterführende Informationen
Für diese Seite wurden unterschiedliche Arten von Quellen verwendet. Offizielle Websites von Ron’s Org und der Scientology-Kirche dienen insbesondere dazu, das jeweilige Selbstverständnis dieser Organisationen darzustellen. Bei historischen, rechtlichen oder wissenschaftlichen Fragen sollen nach Möglichkeit zusätzlich unabhängige oder amtliche Quellen herangezogen werden.
[1] Scientology-Kirche – Grundlagen und Selbstverständnis von Scientology
Offizielle Selbstdarstellung zur Einordnung von Scientology als Religion und zum scientologischen Menschenbild.
https://www.scientology.de/faq/background-and-basic-principles/what-is-scientology.html
[2] Scientology-Kirche – Geschichte und L. Ron Hubbard
Offizielle Selbstdarstellung zur Entstehung von Dianetik, Scientology und den frühen Scientology-Organisationen.
https://www.scientology.de/
[3] Ron’s Org Frankfurt – FAQ und Selbstverständnis
Selbstdarstellung von Ron’s Org Frankfurt zu Scientology, Auditing, Ausbildung, Organisationsform und dem Verhältnis zur Scientology-Kirche.
www.rons-org.de/faqs/
[4] Scientology-Kirche – Auditing und Ausbildung
Offizielle Selbstdarstellung zu Auditing, Auditorenausbildung und der praktischen Anwendung von Scientology.
https://www.scientology.de/faq/scientology-and-dianetics-training-services/what-is-training.html
[5] Bundesverwaltungsgericht – Urteil vom 6. April 2022, BVerwG 8 C 9.21
Amtliche Quelle zur Religions- und Weltanschauungsfreiheit im Zusammenhang mit Scientology.
https://www.bverwg.de/060422U8C9.21.0
[6] Freie Zone – historische Einordnung
Weiterführende Übersicht zur Entstehung und Entwicklung der unabhängigen Scientology-Bewegung und zur Rolle Bill Robertsons.
https://de.wikipedia.org/wiki/Freie_Zone_(Scientology)
[7] Ron’s Org Frankfurt – Freie Zone, Ron’s Org und Standard Technologie
Selbstdarstellungen zur historischen Entwicklung von Ron’s Org, zur Abgrenzung des Begriffs „Freie Zone“ und zum eigenen Verständnis von Standard Technologie.
https://www.rons-org.de/eine-klaerung-der-begriffe-freie-zone-und-rons-org/
https://www.rons-org.de/ehemalige-mitglieder-der-scientology-kirche/