Was ist Auditing und wie funktioniert es?

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Auditing gehört zu den zentralen praktischen Verfahren von Scientology. Dabei beschäftigt sich eine Person unter Anleitung eines ausgebildeten Auditors mit bestimmten Erfahrungen, Gedanken oder Lebensbereichen.

Der Begriff Auditing wird vom lateinischen Wort audire abgeleitet, das „hören“ oder „zuhören“ bedeutet.

Auditing gleicht einem Gespräch, das nach bestimmten Regeln und Abläufen geführt wird. Der Auditor stellt Fragen oder gibt Anweisungen. Die andere Person richtet ihre Aufmerksamkeit auf das jeweilige Thema und beschreibt, was sie dabei wahrnimmt, erinnert oder erkennt.

Nach scientologischem Verständnis soll Auditing dazu beitragen, unerwünschte Einflüsse aus vergangenen Erfahrungen zu erkennen und die eigene Selbstbestimmung zu stärken.


Was ist das Ziel von Auditing?

L. Ron Hubbard entwickelte Auditing ausgehend von seinen Arbeiten zur Dianetik und später im Rahmen von Scientology weiter.

Ein Grundgedanke seiner Lehre besteht darin, dass Menschen durch vergangene Erfahrungen beeinflusst werden können, ohne sich dieser Einflüsse vollständig bewusst zu sein.

In seinem Modell des menschlichen Verstandes unterscheidet Hubbard zwischen dem analytischen und dem reaktiven Verstand.

Der analytische Verstand steht dabei für bewusstes Wahrnehmen, Nachdenken und Entscheiden. Dem reaktiven Verstand schreibt Hubbard dagegen unbewusste Reaktionen zu, die insbesondere mit belastenden Erfahrungen zusammenhängen sollen.

Nach dieser Vorstellung können solche Erfahrungen dazu führen, dass jemand in bestimmten Situationen anders reagiert, als er es eigentlich möchte.

Auditing soll der Person helfen, solche Zusammenhänge selbst zu erkennen und unerwünschte Reaktionen zu vermindern.

Dabei geht es nach Hubbards Verständnis nicht nur darum, persönliche Schwierigkeiten zu bearbeiten. Auditing soll auch dazu beitragen, vorhandene Fähigkeiten, Bewusstsein und Selbstbestimmung weiterzuentwickeln.

Diese Ziele beschreiben den Anspruch des Verfahrens innerhalb von Scientology. Welche Veränderungen Menschen tatsächlich erleben, kann individuell unterschiedlich sein.


Wie läuft eine Auditing-Sitzung ab?

Beim Auditing sitzen sich üblicherweise zwei Personen gegenüber.

Die Person, die das Verfahren durchführt, heißt Auditor. Die Person, die Auditing erhält, wird in der scientologischen Terminologie als Preclear, abgekürzt PC, bezeichnet.

Eine Auditing-Sitzung folgt nicht einfach einem frei geführten Gespräch. Sie orientiert sich an bestimmten Regeln und Verfahren, die der Auditor zuvor erlernt hat.

Der grundlegende Ablauf lässt sich vereinfacht so beschreiben:

  1. Der Auditor stellt eine Frage oder gibt eine Anweisung. Diese wird durch das jeweilige Auditingverfahren vorgegeben.
  2. Der Preclear richtet seine Aufmerksamkeit auf das angesprochene Thema. Er betrachtet beispielsweise eine Erfahrung, einen Gedanken oder eine gegenwärtige Situation.
  3. Der Preclear teilt mit, was er wahrnimmt oder erkennt. Der Auditor hört zu, ohne die Antwort inhaltlich für ihn zu bewerten.
  4. Der Auditor bestätigt die Antwort. Damit wird der jeweilige Kommunikationsschritt abgeschlossen.
  5. Die Fragen oder Anweisungen werden entsprechend dem jeweiligen Verfahren fortgesetzt, bis der vorgesehene Abschluss erreicht ist.“


Hubbard bezeichnete diesen grundlegenden Kommunikationsablauf als Auditing-Kommunikationszyklus.

Je nach Verfahren können Fragen mehrfach gestellt oder unterschiedliche Themen und Abläufe bearbeitet werden.

Das Ziel besteht darin, dass die Person eigene Beobachtungen und Erkenntnisse gewinnt. Der Auditor soll ihr nicht vorgeben, welche Antworten sie geben oder welche Schlussfolgerungen sie ziehen muss.


Welche Aufgabe hat der Auditor?

Der Auditor ist nicht einfach ein Gesprächspartner, der zuhört und gelegentlich Ratschläge gibt.

Seine Aufgabe besteht darin, die vorgesehenen Auditingverfahren korrekt anzuwenden und den Ablauf einer Sitzung zu führen.

Dazu gehört, Fragen verständlich zu stellen, aufmerksam zuzuhören, die Antworten des Preclears zur Kenntnis zu nehmen und die einzelnen Schritte des Verfahrens vollständig durchzuführen.

Eine wichtige Grundlage ist der von Hubbard formulierte Auditorenkodex.

Darin wird unter anderem festgelegt, dass ein Auditor die Aussagen des Preclears nicht für ihn bewerten oder abwerten soll. Außerdem darf er persönliche Informationen, die ihm während einer Sitzung anvertraut werden, nicht zur Bestrafung oder zum eigenen Vorteil verwenden.

Auch die körperliche Verfassung der Person wird berücksichtigt. Nach den Regeln des Kodex soll beispielsweise kein Auditing durchgeführt werden, wenn jemand unzureichend ausgeruht oder nicht ausreichend ernährt ist.

Ein wesentliches Prinzip besteht darin, dass der Preclear seine eigenen Erkenntnisse gewinnen soll.

Gleichzeitig ist Auditing ein strukturiertes Verfahren. Der Auditor arbeitet nach den jeweils vorgesehenen Anweisungen und Regeln, statt das Gespräch beliebig zu gestalten.

Die Ausbildung zum Auditor umfasst deshalb sowohl theoretische Kenntnisse als auch praktische Übungen. Näheres dazu erklären wir auf unserer Seite „Ausbildung in Scientology“.


Welche Themen werden im Auditing behandelt?

Auditing umfasst unterschiedliche Verfahren, die sich mit verschiedenen Bereichen des Lebens und der persönlichen Erfahrungen beschäftigen.

Bei einigen geht es um gegenwärtige Schwierigkeiten, Konflikte oder unerwünschte Verhaltensweisen. Andere richten sich auf vergangene Erlebnisse oder auf bestimmte Fähigkeiten und Aspekte der Kommunikation.

Beispielsweise kann sich eine Person mit Situationen beschäftigen, in denen sie wiederholt ähnlich reagiert, obwohl sie dies bewusst anders möchte.

Nach dem dianetischen Modell hängen solche Reaktionen mit früheren belastenden Erfahrungen zusammen. Die entsprechende Auditingmethode soll dabei helfen, diese Erfahrungen bewusst zu betrachten und ihren angenommenen Einfluss zu vermindern.

Andere Verfahren konzentrieren sich stärker auf die Fähigkeit, mit Menschen zu kommunizieren, Probleme zu erkennen oder selbstbestimmter zu handeln.

Auditing besteht deshalb nicht ausschließlich darin, belastende Erinnerungen zu besprechen. Die verschiedenen Verfahren unterscheiden sich sowohl in ihren Themen als auch in ihren Abläufen.

Entscheidend ist nach scientologischem Verständnis, dass die Person selbst erkennt, was für sie von Bedeutung ist.


Welche Rolle spielt das E-Meter?

Bei bestimmten Auditingverfahren wird ein Gerät verwendet, das E-Meter genannt wird. Die Bezeichnung steht für Elektrometer.

Die Person, die Auditing bekommt, hält dabei gewöhnlich zwei Elektroden in den Händen. Durch den entstehenden Stromkreis fließt ein sehr schwacher elektrischer Messstrom.

Das Gerät registriert Veränderungen des elektrischen Widerstands und zeigt diese über eine Anzeige an.

Der Auditor beobachtet die Anzeige während des Auditings. Nach Hubbards Verfahren werden bestimmte Veränderungen als Hinweise darauf interpretiert, dass ein angesprochenes Thema für die Person eine besondere Bedeutung hat oder mit einer sogenannten geistigen Ladung verbunden ist.

Hier ist eine Unterscheidung wichtig:

Das E-Meter misst elektrische Veränderungen. Welche Bedeutung diese im Zusammenhang mit Gedanken, Erinnerungen oder geistigen Vorgängen haben, ergibt sich daraus nicht unmittelbar.

Das Gerät liest keine Gedanken und kann nicht selbst feststellen, ob eine Erinnerung wahr ist oder welche Ursache eine persönliche Schwierigkeit hat.

Es ist auch kein medizinisches Diagnose- oder Behandlungsgerät.

Nicht bei allen Auditingverfahren wird ein E-Meter eingesetzt. Seine Verwendung hängt von der jeweiligen Methode und Ausbildungsstufe ab.


Was ist der Unterschied zwischen Auditing und einem gewöhnlichen Gespräch?

Auf den ersten Blick kann Auditing wie ein intensives persönliches Gespräch wirken.

Tatsächlich gibt es jedoch einige grundlegende Unterschiede.

Ein gewöhnliches Gespräch entwickelt sich meist frei. Die Beteiligten stellen Fragen, tauschen Ansichten aus und geben möglicherweise Ratschläge.

Beim Auditing dagegen folgt der Auditor einem bestimmten Verfahren. Die Fragen und Anweisungen sind nicht beliebig, sondern gehören zu einem zuvor festgelegten Ablauf.

Der Auditor soll die Aussagen des Preclears nicht interpretieren, kommentieren oder ihm eigene Schlussfolgerungen nahelegen.

Auch das Bestätigen einer Antwort hat eine besondere Bedeutung. Es dient dazu, dem Preclear mitzuteilen, dass seine Äußerung angekommen ist, ohne sie inhaltlich zu bewerten.

Hubbard betrachtete diese Form der Kommunikation als eine wesentliche Grundlage für die Durchführung der Auditingverfahren.

Das bedeutet allerdings nicht, dass der Preclear den gesamten Ablauf frei gestaltet. Die jeweiligen Verfahrensregeln und der Auditor bestimmen die Struktur der Sitzung.


Gibt es unterschiedliche Formen von Auditing?

Innerhalb von Dianetik und Scientology wurden im Laufe der Zeit verschiedene Auditingverfahren entwickelt.

Dianetisches Auditing beschäftigt sich insbesondere mit vergangenen Erfahrungen und deren angenommenen Auswirkungen auf gegenwärtige Reaktionen. Dabei spielt der reaktive Verstand eine zentrale Rolle.

Andere scientologische Auditingverfahren befassen sich unter anderem mit Kommunikation, persönlichen Schwierigkeiten, Entscheidungen und geistigen Fähigkeiten.

Die Verfahren unterscheiden sich darin, welche Fragen gestellt werden, welche Anweisungen verwendet werden und welche Ergebnisse angestrebt werden.

Neben dem persönlichen Auditing mit einem ausgebildeten Auditor gibt es auch Ko-Auditing.

Dabei erlernen zwei Personen bestimmte Verfahren und wenden diese nach entsprechender Ausbildung gegenseitig an.

Für fortgeschrittene Stufen gibt es außerdem Formen des Solo-Auditings, bei denen eine dafür ausgebildete Person bestimmte Verfahren selbst durchführt.

Welche Methode angewendet wird, hängt vom jeweiligen Ausbildungsstand und von der vorgesehenen Stufe auf dem scientologischen Entwicklungsweg ab.


Welche Bedeutung hat Auditing auf der Brücke?

In Scientology werden Auditing und Ausbildung als zwei miteinander verbundene Bereiche betrachtet.

Zusammen bilden sie wesentliche Bestandteile der sogenannten Brücke. Damit wird ein stufenweise aufgebauter Weg bezeichnet, auf dem nach scientologischem Verständnis bestimmte geistige Entwicklungszustände und Fähigkeiten erreicht werden sollen.

Auf der Auditingseite durchläuft eine Person verschiedene Verfahren in einer vorgesehenen Reihenfolge.

Zu den innerhalb von Scientology verwendeten Bezeichnungen für die zu erreichenden Stufen gehören beispielsweise Clear und Operierender Thetan (OT).

Clear bezeichnet innerhalb des dianetischen beziehungsweise scientologischen Systems einen angestrebten Zustand, in dem die Person nicht mehr unter dem Einfluss ihres reaktiven Verstandes stehen soll. Sie soll vollständigen Zugriff auf ihre vernunftgemäßen Fähigkeiten haben.

Mit den OT-Stufen verbindet Scientology Vorstellungen über weitergehende geistige Fähigkeiten und Selbstbestimmung.

Diese Begriffe beschreiben Entwicklungsziele innerhalb der scientologischen Lehre. Sie sind nicht als wissenschaftlich bestätigte Zustände oder Fähigkeiten zu verstehen.


Warum ist Auditing für Scientology so wichtig?

Auditing gehört neben der Ausbildung zu den wichtigsten praktischen Bestandteilen von Scientology.

Nach Hubbards Verständnis soll Auditing Menschen dabei unterstützen, unerwünschte Einflüsse zu erkennen, eigene Erkenntnisse zu gewinnen und ihre Selbstbestimmung weiterzuentwickeln.

Wer Scientology verstehen möchte, sollte Auditing kennen. Denn an diesem Verfahren wird besonders deutlich, wie Hubbard seine Vorstellungen über den Menschen und seine persönliche Entwicklung in eine praktische Methode umsetzte.


Auditing selbst kennenlernen

Wer sich nicht nur theoretisch über Auditing informieren, sondern auch einen praktischen Einblick gewinnen möchte, findet bei Ron’s Org Frankfurt, dem Betreiber dieses Wissensportals, ein entsprechendes Einstiegsangebot. Weitere Informationen gibt es auf der Website der Ron’s Org Frankfurt zum Dianetik-Bundle.


Quellen und weiterführende Informationen

L. Ron Hubbard: „Dianetics: The Original Thesis“. Darstellung der frühen dianetischen Grundlagen und Auditingverfahren. Verfügbar in der STSS-Materialsammlung.

L. Ron Hubbard: „Auditing Comm Cycle“, HCO Bulletin vom 30. April 1971. Beschreibung des grundlegenden Kommunikationsablaufs zwischen Auditor und Preclear. Verfügbar in den Level-0-Kursmaterialien auf stss.nl.

L. Ron Hubbard: „The Auditor’s Code“, HCO Policy Letter vom 14. Oktober 1968, revidiert am 1. Januar 1976. Grundlegende Verhaltensregeln für Auditoren. Ebenfalls enthalten in den Level-0-Kursmaterialien auf stss.nl.